Freitag, 26. März 2010

Wie beeinflussen Soziale Netzwerke Face- to- Face Kommunikation?

von Michał Mielnik

Heutzutage ist es unmöglich, dieses Phänomen nicht zu bemerken. Unabhängig, ob man entweder jeden Tag vor dem Bildschirm sitzt oder nichts mit dem Internet zu tun hat, hört man sehr, sehr oft Wörter, wie Facebook, oder Nasza-Klasa in Polen und SchülerVZ in Deutschland. „Was bedeuten sie?“ Diese Webseiten zählen zu den Sozialen Netzwerken, die auf der ganzen Welt vertreten sind.

Laut Wikipedia stehen Soziale Netzwerke umgangssprachlich für eine Form von Netzgemeinschaften, welche technisch durch Web-2.0-Anwendungen oder Portale beherbergt werden. Im Englischen existiert der präzisere Begriff des social network service. Die deutschen Begriffe „Gemeinschaftsportal“ oder „Online-Kontaktnetzwerk“ sind eher weniger gebräuchlich.

Diese Webportale ermöglichen uns üblicherweise Funktionen, wie ein Persönliches Profil zu haben, dass die Nutzer an solchen Netzwerken teilnehmen läst. Das heißt, dass man eigenen Pinnwandeinträge schreiben und sich verschiedenen Gruppen anschließen kann. Außerdem ist es möglich einen Mailkasten zu haben, damit man an andere Mitglieder Nachrichten schreiben kann. Im Großen und Ganzen, ermöglichen diese Sozial Netzwerke den Nutzern zu kommunizieren, eigene Beiträge zu leisten und andere Mitglieder aus der ganzen Welt zu finden. Auf manchen Internetseiten ist es auch denkbar, neue Nachrichten zu lesen, verschiedene Arten von Quiz zu machen und vieles mehr.

Um sich die Größe dieses Phänomens vor Augen zu führen, muss man die Zahle der Teilnehmer sehen. Ein absoluter Spitzenreiter ist facebook.com mit 400 Millionen persönlichen Profilen. Jeden Tag erstellen neue Leute Konten bei Netzwerken. Die Zahl von polnischen nasza-klasa.pl Benutzer ist unheimlich. In Polen leben 38 Millionen Menschen und das größte polnische Sozial Netzwerk hat 27 Millionen aktive Profile. Ja, natürlich sind nicht alle echt, aber trotzdem, ist das wirklich sehr, sehr viel, richtig? Also kann man ruhig sagen, dass jede zweite Person in Polen nasza-klasa.pl benutzt. Und mittlerweile melden sich auch immer mehr Leute bei facebook.com an.

Diese Entwicklung ist so präsent, dass sie das alltägliche Leben selbstverständlich beeinflusst. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass solche Internetdienste sehr großes Suchtpotenzial aufweisen. Leute machen oft alles, um ständig eingeloggt sein zu können. Sie nutzen jede Möglichkeit, sich die aktuellen Nachrichten anzusehen, sie müssen immer wissen, was ihre Freunde machen und so weiter und sofort. Es kommt oft dazu, dass sie keine Zeit für die Leute in der realen Welt haben, sondern es bevorzugen sich mit ihnen durch das Internet in Verbindung zu setzen, Face- to- Face Kommunikation kommt zu kurz. Onlinefreundschaften gewinnen ständig an Bedeutung, Leute brauchen den direkten Kontakt immer seltener und sprechen mit den Leuten, mit denen sie normalerweise nichts zu tun haben möchten. Diese Situation sollte alarmierend sein, weil leider niemand genau weiß, wozu es führen kann.

Aus diesem Grund bin ich auf die Idee gekommen, ein paar Leuten einige Fragen zu stellen. Ich möchte erfahren, was sie darüber denken und welche Erfahrungen sie mit Sozialen Netzwerken haben und ungefähr wie oft sie solche Webseiten besuchen.

Dominika - 20 Jahre alt, Jurastudentin aus Lublin

„Es ist allgemein bekannt, dass ein Wandel in der Kommunikation stattgefunden hat. Die Menschen möchten nicht nur Bankangelegenheiten per Computer abwickeln, sondern auch über das Internet kommunizieren. Das bringt viele gravierende Folgen mit sich. Erstens wird die Sprache verhunzt, weil man zahlreiche Abzukürzungen verwendet, die grammatisch total unkorrekt sind. Das hat in erster Linie eine durchaus negative Auswirkung auf Jugendliche, die sich dann kaum ausdrücken können. Ich finde es auch schade, dass die Menschen den persönlichen Kontakt zu anderen vermeiden. Deswegen muss ich zugeben, dass ich für die Sozial Netzwerke nicht plädiere.“

Julian - 16 Jahre alt, Schüler in Münster.

„Ich persönlich benutze sehr viele Soziale Netzwerke, wie z.B. SchülerVZ, Facebook oder Solarnet - international. Ich denke, dass solche Netzwerke wichtig und sinnvoll sind, aber nicht als Hauptkommunikationsmittel genutzt werden sollten. Besonders nützlich sind Sozial Netzwerke wenn man mit Freunden die weit weg wohnen kommunizieren will.“







Joanna - 21 Jahre alt, Medizinstudentin aus Lublin

„Dank der Sozialen Netzwerke stehen uns zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um mit den Freunden aus der ganzen Welt in Verbindung zu bleiben. Obwohl sie Zeitschlucker sind und es sehr schwierig ist auf die Sozial Netzwerke zu verzichten, schätze ich sie als positiv ein. Aus diesem Grund habe ich ein Account auf facebook.com und benutze dieses Sozial Netzwerk um Kontakte mit den Freunden zu pflegen und ständig auf dem Laufenden zu sein.“



Tim Karis - 29 Jahre alt, Kommunikationswissenschaftler aus Münster

„Informatiker sollen, statt zu lachen, mitunter regelmäßig "LOL, LOL" ausrufen. Das ist aber sicherlich die Ausnahme. Ansonsten gehe ich davon aus, dass die Kommunikation im Internet die gesprochene Sprache der Face- to- Face Kommunikation nur wenig beeinflusst. Bei der Schriftsprache ist es hingegen anders: Beispielsweise finden sich Emoticons wie :-), die sich in der E-Mail-Kommunikation entwickelt haben und häufig in Chats verwendet werden, immer häufiger auch in Offline- Texten. Grundsätzlich gilt: Sprache, ob im Internet oder im Face- to- Face, ist ein lebendiger Organismus, der sich ständig wandelt. Dieser Wandel vollzieht sich jedoch nicht einseitig aus dem Web in den Alltag, sondern verläuft ungeordnet und multidimensional.“

Wenn man diese kurzen Aussagen liest, kann man sehr schnell bemerken, dass es verschiedene Meinungen gibt. Ehrlich gesagt, glaube ich, dass niemand genau voraussagen kann, wie die Situation in der Zukunft aussehen wird. Die Sozialen Netzwerke wachsen schnell und immer mehr Leute richten sich ein Profil ein, sie haben immer weniger Zeit mit den anderen Face- to- Face zu kommunizieren. Freundschaften, die in den Sozialen Netzwerken geschlossen werden, sind schon den traditionellen Freundschaften in Zahlen überlegen. Meiner Meinung nach, wenn wir nicht zur Vernunft kommen, wird die ganze Welt verrückt. In der Internetwelt brauchen wir nur den Profilnamen oder die E-Mailadresse der bestimmten Person, um sofort alle anderen Daten über Hobbies, Freunde, Alter und Wohnort herauszufinden. Hierbei fehlt allerdings das Gegenübersitzen mit der Gewissheit sich jederzeit berühren zu können.

Nach der Aussage von dem weltbekannten Schriftsteller Paulo Coelho:

„Es mag hundert Wege der Kommunikation in der heutigen Welt geben,
aber nichts kann das menschliche Auge ersetzen.“


1 Kommentar:

  1. Ich darf zu dem Pnänomen auf einen Beitrag hinweisen:
    http://www.tg-text.com/2010/04/kommunikation-30-face-to-face-statt.html

    AntwortenLöschen